
Numabs Milliarden-Antikörper von J&J fallen gelassen
Das war vor mehr als eineinhalb Jahren eine große Schlagzeile, als die Schweizer Numab AG (Horgen am Zürichsee) über das Vehikel eines Spin-outs einen einzelnen Antikörper für 1,25 Mrd. US-Dollar an Johnson 6 Johnson verkaufte. Nicht bei zukunftsgerichteten Meilensteinen zu bezahlen, sondern direkt "cash in de Täsch", wie man in Köln sagen würde.
Johnson & Johnson (J&J) hat die klinische Entwicklung seines Neurodermitis-Wirkstoffs JNJ-95475939 (auch JNJ-5939) vorzeitig gestoppt. Der Pharmakonzern beendete eine Phase IIb-Studie bei Patienten mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis, nachdem eine geplante Zwischenanalyse die zuvor definierten Wirksamkeitskriterien nicht erfüllt hatte. Die Entscheidung fiel nur rund zehn Monate nach Studienstart im Februar 2025.
In einer Stellungnahme zum Jahresende erklärte J&J, die Ergebnisse hätten nicht die „hohe Wirksamkeitsschwelle“ erreicht, die das Unternehmen für die Weiterentwicklung seiner Programme im Bereich atopische Dermatitis ansetzt. Sicherheitsbedenken gab es nicht: Die subkutan verabreichte Therapie wurde nach Angaben des Unternehmens gut vertragen. Daten aus der Studie wurden bislang nicht veröffentlicht.
Unrühmliches Ende
Der Abbruch wiegt auch wirtschaftlich schwer. J&J hatte den Wirkstoff, einen bispezifischen Antikörper, erst Mitte 2024 für 1,25 Mrd. US-Dollar in bar vom Schweizer Biotech Numab Therapeutics übernommen. Grundlage für den Deal waren frühe klinische Daten und die Hoffnung, dass der bispezifische Antikörper mit seinem dualen Wirkmechanismus bestehende Therapien übertreffen könnte. JNJ-95475939 richtet sich gegen die Zytokine IL-4 und IL-31 – zwei zentrale Treiber der Entzündungsreaktion bei atopischer Dermatitis.
Während IL-4 bereits ein etablierter Angriffspunkt ist und unter anderem von dem Blockbuster Dupixent (Regeneron/Sanofi) adressiert wird, galt IL-31 als vielversprechendes Zusatz-Target, insbesondere zur Kontrolle des quälenden Juckreizes. Einzelwirkstoffe gegen IL-31 zeigten bislang allerdings nur moderate Effekte; Galdermas Antikörper Nemluvio erhielt Ende 2024 dennoch eine FDA-Zulassung. J&J hatte mit der Kombination beider Targets versucht, die „Wirksamkeitsbeschränkungen der Monotherapien zu durchbrechen“, wie Konzernmanager zuvor erläutert hatten.
Trotz des Rückschlags betont J&J sein anhaltendes Engagement im Bereich entzündlicher Hauterkrankungen. Im Fokus stehen nun andere Projekte in der Pipeline. Dazu zählt JNJ-7528, ein weiterer Neurodermitis-Kandidat, der sich derzeit in Phase I befindet und 2026 in eine Phase-IIb-Studie überführt werden soll. Darüber hinaus sicherte sich J&J im Mai 2024 für 850 Mio. US-Dollar das Biotech Proteologix, inklusive eines bispezifischen Antikörpers gegen IL-13 und TSLP, sowie eine exklusive Lizenz für ein STAT6-Programm des japanischen Unternehmens Kaken Pharmaceutical, das auch in den Antikörperdeal mit Numab als dessen früherer Kooperationspartner involviert war.
Numab bleibt gefühlter Gewinner
Der frühe Abbruch von JNJ-95475939 zeigt, wie hoch die Hürden in einem stark umkämpften Therapiefeld sind – und wie selbst milliardenschwere Wetten auf innovative Wirkmechanismen in der klinischen Realität scheitern können, obwohl erste Datenpakete positiv ausgesehen haben müssen und Grundlage des Kaufs gewesen sind. Für Numab bleibt damit nahezu alles beim Alten und der eigentliche Schwerpunkt auf die Onkologie dürfte ohne Imageschaden davonkommen. Numab bleibt sogar mehr als erwartet von dem damaligen Milliardendeal auf dem Buchungskonto, da eventuell fällige spätere Erfolgsmeilensteine an den früheren Partner Kaken, die Numab hätte begleichen müssen, nun nicht mehr anfallen werden.


Jean Jaques Schaffner / Basel Area Business & Innovation
TECregen AG
Basel Area Business & Innovation. Photography by AviaticFilms